Spruchbandaktion im Niedersachsenstadion: „Rechte Fans raus aus der Kurve“

Am heutigen Dienstag, den 25.09.2018, haben wir beim Bundesligaspiel von Hannover 96 gegen Hoffenheim ein Spruchband mit der Aufschrift „Rechte Fans raus aus der Kurve“ unter „Nazis raus“-Rufen präsentiert und Flyer verteilt. Die Aktion wurde von den, in der Nähe sitzenden Fans, positiv aufgenommen.

Damit wollten wir auf den Rechtsruck innerhalb der aktiven Fanszene von Hannover 96 aufmerksam machen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es unbedingt notwendig ist, diesem als Fans von Hannover 96 entgegenzutreten. Rassistische und andere rechte, chauvinistische Positionen dürfen keinen Platz in der hannoverschen Fanszene und Kurve haben.

Als Kampagne „Hannover rechts außen“ haben wir bereits mit zwei Texten auf den Rechtsruck in der aktiven Fanszene von Hannover 96 hingewiesen. Auch in Zukunft werden wir aktiv gegen rechte Entwicklungen in und um das Stadion in Hannover aufmerksam machen.

 

Alles für Bielefeld-Hannover?

Freundschaften und freundschaftliche Kontakte sind unter Fußballfans nichts neues, man besucht sich, unterstützt sich bei den Spielen des jeweiligen Vereins und verbringt Zeit miteinander. In diesem Text soll die Freundschaft zwischen der rechtsoffenen Ultra & Hooligan-Gruppe „West Hannover“, welche der Fanszene von Hannover 96 zuzuordnen ist und der rechten Nachwuchs-Hooligangruppe „Venomous Generation“ (VG) aus Bielefeld beleuchtet werden. Scheint es zuerst wie eine normale Freundschaft zwischen Fußballfans, steckt beim genaueren Hinsehen mehr dahinter.

Mitglieder der Gruppen „Venomous Generation“ und „West Hannover“. vorne rechts: Haug Ole Schubert

„West Hannover“ ist eine der führenden Gruppen in der hannoverschen Fanszene und maßgeblich an der zum Teil gewaltsamen Verdrängung von antirassistischen Menschen aus der Kurve, sowie der aktuellen Umstrukturierung innerhalb der Fanszene, beteiligt. Es

Maximilian Meier (Bildmitte) innerhalb der hannoverschen Fanszene

gibt zum Teil personelle Überschneidungen zur, nicht mehr in Erscheinung tretenden rechten Hooligangruppe „Royal Riot Hannover“. (Weitere Informationen zur ehemaligen Hooligangruppierung „Royal Riot Hannover“ und ihrer Verbindungen in die Neonaziszene Hannover´s, werden in der vorliegenden Broschüre zusammengefasst)
Hier zu nennen ist u.a. Maximilian Meier aus Barsinghausen. Meier, der schon in der Vergangenheit mehrfach durch Angriffe und Bedrohungen gegenüber antirassistischen und antifaschistischen Menschen auffiel, kann sowohl dem ehemaligen Umfeld von „Royal Riot“ zugeordnet werden als auch zu „West Hannover“. Im Umfeld der Gruppe „West Hannover“ bewegt sich außerdem Marcel Schmiedeskamp, ehemals „Royal Riot“ und mit guten Kontakten zur verbotenen Kameradschaft „Besseres Hannover“.

Die Fangruppe „West Hannover“ beteiligt sich nicht nur am Support im Stadion sondern stellt auch Teile der gewaltbereiten Fanszene, die an sogenannten Dritt-Ort-Auseinandersetzungen teilnimmt. Hierbei stehen ihnen ihre Freunde aus Bielefeld der „VG“ zur Seite. Die „Venomous Generation“ ist eine Nachwuchs-Ultra& Hooligangruppe aus Bielefeld. Auch bei ihr gibt es Überschneidungen in das extrem rechte Milieu. So ist z.B. Haug Ole Schubert aus Bückeburg (ehemals Autonome Nationalisten Bückeburg) Mitglied in der Gruppe und tritt auch offen mit T-Shirts der Gruppe in der Öffentlichkeit auf. Die „VG“ hat große Bezugspunkte in das extrem rechte Milieu. So nahm mindestens 1 Kämpfer unter dem Kampfnamen „Adolf“ am rechten Kampfsportevent „Kampf der Nibelungen“ teil und wurde dort von einer Vielzahl von VG-Mitgliedern und Sympathisant*innen unterstützt.
(Weitere Informationen zum rechten Kampfsportevent Kampf der Nibelungen)

Mitglieder der Venomous Generation mit T-Shirts von „White Rex“ und „Kampf der Nibelungen“

Auffällig ist auch, dass Tragen von extrem rechter Kleidung, die vor allem bei Personen aus dem VG-Spektrum beobachtet werden kann. So posierten Mitglieder der Gruppe mit T-Shirts des „Kampf der Nibelungen“ sowie T-Shirts der extrem rechten Hooligan- und Kampfsportmarke „White Rex“ aus Russland oder T-Shirts der Marke „Thor Steinar“. Zu sehen sind u.a. ein abgewandeltes Hakenkreuz, sowie weitere Motive von „White Rex“.
(Weitere Informationen zur extrem Rechten Marke White Rex)

Mitglieder der Venomous Generation mit T-Shirts des „Kampf der Nibelungen“

Ebenfalls bezeichnend ist, dass eben jene „VG“ bei ihren Dritt-Ort-Auseinandersetzungen mit einheitlichen T-Shirts von „White Rex“ „Ultraviolence“ aufläuft, was noch einmal mehr zeigen sollte, dass sich die komplette Gruppe mit einer rechten Gesinnung schmückt und diese Gesinnung komplett akzeptiert wird.

Nachweislich nahm die „VG“ an dem von „West Hannover“ organisierten Fußball Turnier der hannoverschen Fanszene teil. Dort konnte beobachtet werden, dass mindestens 1 Musikstück der rechten Musikgruppe „Sleipnir“ gespielt wurde. Dies wurde scheinbar von der kompletten Fanszene, die an dem Tag bei dem Turnier versammelt war akzeptiert oder zumindestens geduldet. So konnte das Lied bis zum Ende gespielt werden.

(Uns wurde ein Video von der Situation zugespielt. Wir veröffentlichen hier nur die Tonspur. Zu hören ist das Lied „Wunderbare Jahre“ von Sleipnir auf dem Fußballturnier der hannoverschen Fanszene 2018)

Mitglieder der Venomous Generation beim Fußballturnier der hannoverschen Fanszene 2018

Aber nicht nur zu „West Hannover“ knüpfte die „VG“ Kontakte, sondern auch zu anderen Personen und Gruppen aus der hannoverschen Fanszene. Zu nennen sind hier z.B. Personen um die sogenannte „Sektion Hildesheim“. Im speziellen geht es hierbei um den Neonazi Paule Meibaum. Dieser nahm an mehreren Neonazi Demonstrationen in Niedersachsen u.a. dem Trauermarsch in Bad Nenndorf teil und gehört seit einiger Zeit ebenfalls zur Fanszene von Hannover 96. Meibaum trat auf mehreren Fotos, die in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden zusammen mit Haug-Ole Schubert auf. Dort sieht man ebenfalls deutlich, dass Schubert ein T-Shirt der Neonazi Marke „White Rex“ trägt.

Haug Ole Schubert mit „White Rex“ T-Shirt zusammen mit Paule Maibaum

Ein weiterer Beleg für die extrem rechten Umtriebe der „Venomous Generation“ kann in der Freundschaft zu den „Ultras Debrecen“ geliefert werden. Die „Ultras Debrecen“ aus Ungarn sind ebenfalls im extrem rechten Millieu zu verorten, so drucken sie Aufkleber mit SS-Totenköpfen oder schwenken im Stadion abgewandelte Hakenkreuz-Fahnen. Auch hier pflegt die „VG“ und ihr Umfeld keinerlei Berührungsängste mit offen auftretenden Neonazis und posieren beispielsweise für ein gemeinsames Foto, samt Gruppenfahnen.

Aufkleber der Ultras Debrecen

Ultras Debrecen und Venomous Generation

Schlussendlich bleibt zu sagen, dass die Gruppe „West Hannover“ aktiv und unter Einsatz von körperlicher sowie psychischer Gewalt einen Wandel der Fanszene vorantreibt, in der antirassistische Menschen keinen Platz mehr haben sollen. Rechtsoffenen und teilweise auch klar rechts auftretenden Personen wird hingegen der Zugang zum Stadion ermöglicht oder dieser zumindest nicht mehr aktiv verweigert. Zusammen mit ihren Freunden von der „VG“ schaffen sie ein Klima der Gewalt, in dem sich viele antirassistische und antifaschistische Menschen im Stadion nicht mehr wohlfühlen können.

GEGEN DEN RECHTEN KONSENS IN DER AKTIVEN FANSZENE!

Hannover rechts außen – Gegen den rechten Konsens in der aktiven Fanszene!

Die Fanszene des Vereins Hannover 96 hat sich in den vergangenen Jahren politisch immer weiter nach rechts bewegt. Höhepunkt dieser Entwicklungen war der Stadion-Ausschluss, der sich als antirassistisch begreifenden Ultra-Gruppe „Rising Boys Hannover“ und anderen sich mit ihnen solidarisch zeigenden Gruppen.

Im Folgenden wird versucht einen Überblick über die Entwicklung hin zu einem rechten Konsens innerhalb der aktiven Fan- und Ultraszene von Hannover 96 zu geben. Dabei werden relevante, uns bekannte Ereignisse seit dem Jahr 2010 aufgeführt, um ein möglichst vollständiges Bild einer stetigen, ungestoppten Entwicklung immer weiter nach rechts darzustellen.

Marker einer Entwicklung nach rechts 2010-2017

Im Jahr 2010 etabliert sich die neonazistische Hooligan-Gruppe „Royal Riot (RR)“ im Stadion und der hannoverschen Fanszene. Personelle Überschneidungen zur Neonazi-Gruppe „Besseres Hannover“ (die schlussendlich verboten wurde) bestehen, werden jedoch akzeptiert. Mitglied von „RR“ war unter anderem der neonazistisch auftretende Timm Güse, der nach wie vor eine entscheidende Rolle in der hannoverschen Fanszene spielt. Nach der Offenlegung der Mitgliedschaft von Neonazis bei „RR“, durch antifaschistische Aktivist*innen im Jahr 2011, sieht sich die Fanszene gezwungen „RR“ aus der Fanszene auszuschließen. Damit einhergehend etabliert sich in Teilen der Fanszene bereits das Feindbild der Antifa als „Störenfried“, der die Fanszene angreifen würde.
Im Jahr 2013 zeigen sich die Entwicklungen erstmals in einer neuen Qualität der Gewalt, durch massive körperliche Übergriffe auf antifaschistische 96-Fans, da diese sich mit Fußballfans rivalisierender Vereine in einem antirassistischen Rahmen engagiert und solidarisiert haben. Dieses Engagement zusammen mit Fans „verfeindeter“ Fußballclubs gilt einigen Fans/Ultras/Hooligans als Hochverrat mit der Konsequenz, dass diese „Nestbeschmutzer“ von Teilen der hannoverschen Fanszene zum Abschuss freigegeben werden. Unabhängig vom Geschehen an Spieltagen, folgen mehrere gewalttätige Übergriffe gegen antifaschistische 96-Fans. So zieht eines Abends eine Gruppe von ca. 15 Personen durch die links und migrantisch geprägte Nordstadt und versucht die Kneipe „Nordstadtbraut“ anzugreifen, in der Antifaschist*innen vermutet werden. Linke Zusammenhänge solidarisieren sich daraufhin mit den Betroffenen und das „Feindbild Antifa“ verfestigt sich.

Im weiteren Verlauf gründet sich die Hooligan-Gruppe „VH13“, die sich vor allem aus ehemaligen „RR“- und aktiven „West Hannover“- Mitgliedern rekrutiert.
Im Jahr 2014 kommt es nach linken Demonstrationen gegen die Einheitsfeierlichkeiten zu massiven Angriffen auf Antifaschist*innen, ebenso am nächsten Abend. Im Zuge dessen ereignet sich ein Angriff auf eine politisch aktive junge Frau, bei dem diese so schwer verletzt wird, dass sie mehrere Tage im Krankenhaus verbringen und notoperiert werden muss. Auch im weiteren Verlauf wird immer wieder versucht Antifaschist*innen zu bedrohen und anzugreifen. Wer Opfer der Angriffe wird, scheint zunehmend wahllos. Kriterium ist dabei für lediglich ein vermeintlich linkes Erscheinungsbild. Um auf das Passierte aufmerksam zu machen und die aktuelle Situation zu problematisieren, organisieren antifaschistische Zusammenhänge und linke Gruppen daraufhin eine Demonstration unter dem Motto „Jeder Angriff ist ein Angriff auf uns alle!“. Mehrere hundert Menschen folgen dem Aufruf.
Die Gruppe „VH13“ löst sich im Jahr 2015 präventiv auf, aus Angst verboten zu werden, da sie aufgrund ihrer Teilnahme an so genannten „Dritt-Ort-Auseinandersetzungen“ (Hooligan-Schlägereien) den Tatbestand der kriminellen Vereinigung nach §129 erfüllen.
Es kommt erneut zu einem Angriff auf als Linke identifizierte Personen in der Nordstadt, diese werden dabei von den schwarz-weiß-grünen Sturmhauben tragenden Angreifern als „Antifa-Fotzen“ betitelt. Die Nordstadt gerät immer weiter ins Visier der mittlerweile schon weit nach rechts gerückten hannoverschen Fanszene: So trifft sich diese vor den Heimspielen gegen Werder Bremen und St.Pauli, deren Fanszenen als antifaschistisch gelten, in der Nordstadt. Intern wird zum „Zecken klatschen“ aufgerufen.

Aktuelle Entwicklungen & Ausschluss antirassistischer Gruppen

Im Jahr 2017 wird die Ultra-Gruppe „Rising Boys Hannover (RBH)“ sowie weitere Gruppen von den „Ultras Hannover (UH)“, der Dach-Organisation der hannoverschen Ultras, mit der mehrfachen Androhung von Gewalt aus dem Stadion und allen damit verbundenen Aktivitäten ausgeschlossen.

Dieser Ausschluss wurde und wird mit dem politischen Engagement einzelner Mitglieder der „RBH“ bei linken, antirassistischen Veranstaltungen begründet: So werden einige Mitglieder der Gruppe „RBH“ bei einer im Juni 2017 stattfindenden Gedenkdemonstration für den von der Polizei ermordeten Kurden Halim Dener, andere im Juli 2018 bei den Protesten gegen den in Hamburg stattfindenden G20-Gipfel in Hamburg gesichtet. Dies nehmen Mitglieder der „Ultras Hannover“ zum Grund, um „RBH“-Mitgliedern körperliche Gewalt anzudrohen und diese auch durchzuführen. Die Gruppe „RBH“ entwickelt sich im Zuge dessen schnell zum Feindbild innerhalb der hannoverschen Ultra-Szene, da man dieser nun eine Nähe zu der längst verfeindeten „Antifa“ attestiert. Ein Verbot sich im Stadion aufzuhalten wird ausgesprochen und durchgesetzt.

Die Nähe zu linken Veranstaltungen und Organisationen scheint dabei deswegen ein Problem darzustellen, da die Hegemonie weißer, deutscher Männer und ihrer chauvinistischen Handlungsweisen mit diesen Positionen nicht vereinbar sind.
Als Konsequenz auf die sich überschlagenden Ereignisse und den massiven Rechtsruck innerhalb der hannoverschen Ultra-Szene treten mehrere (Gründungs-)Mitglieder der „Ultras Hannover“ aus der Gruppe aus. Viele bleiben jedoch und positionieren sich damit eindeutig.

Bei den beschriebenen Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit scheint die Haftentlassung des offen neonazistisch auftretenden Ultra-Veterans Timm Güse den entscheidenden Ausschlag gegeben zu haben. Dieser wurde von den „Ultras Hannover“ nach seiner Entlassung im Stadion mit dem Spruchband „Aus dem Versteck – rein ins Geschehen … Willkommen zurück, Timm!“ begrüßt und willkommen geheißen. Kurze Zeit später fiel Güse bereits medial auf, da er beim Trainingslager von Hannover 96 in Österreich den Hitlergruß zeigte und „Fuck, Allah!“ brüllte, wofür er vor kurzen zu einer erneuten Haftstrafe verurteilt wurde. Die hannoversche Fanszene verhielt sich öffentlich bisher nicht zu diesem offensichtlich rechtsradikalen Verhalten einer ihrer Führungspersonen und scheint dieses damit mindestens zu tolerieren.

Im Juli 2018 veranstaltet die hannoversche Ultra-Gruppe „West Hannover“ ein Fußballturnier, an dem die neonazistische Hooligan-Gruppe „Venomous Generation (VG)“ aus Bielefeld sowie deren als Jugend ausgegebenen Untergruppierung „227“ teilnehmen. Die Gruppe „VG“ fiel bereits durch die Mitgliedschaft aktiver Neonazis sowie der Teilnahme einzelner Mitglieder an der Neonazi-Kampfveranstaltung „Kampf der Nibelungen“ auf. Die Zahlenkombination „227“ steht für den Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung mit Todesfolge. Auf dem Turnier von „West Hannover“ wurde außerdem klar als „Rechtsrock“ einzuordnende Neonazi-Musik der Gruppe „Sleipnir“ gespielt, die eine feste Größe in der neonazistischen Musikszene darstellen.

Rechten Umtrieben eine Absage erteilen!

Seit 2010 entwickelt sich die hannoversche Fanszene immer weiter nach rechts. Diese immer offenkundiger werdende Entwicklung wird dabei von den verschiedenen politisch rechts agierenden Gruppen und Einzelpersonen illustriert. Am deutlichsten zeigt sie sich jedoch in der körperlichen Durchsetzung des rechten Konsens gegenüber all denen, die sich in irgendeiner Weise als antirassistisch oder anderweitig fortschrittlich ausmachen lassen.

Der Ausschluss von Gruppen wie „RBH“ aufgrund des politischen Engagements einzelner Personen, ist damit der logische Gipfel eines rechten Konsens in der hannoverschen Ultra-Szene.

Diesem rechten Konsens müssen wir alle gemeinsam eine Absage erteilen!

Gegen rechte Umtriebe im und ums Stadion!

25.07.2018